Mein Unfall

Es war der letzte Tag im März 2017. Am Vormittag war ich unterwegs und gegen 11 Uhr wieder im Haus. Für das Mittagessen war alles vorbereitet und brauchte nur warm gemacht werden. Ich hatte jetzt noch eine Stunde Zeit. Die könnte ich nutzen um schnell noch einen kleinen Einkauf bei LIDL zu machen.

Gedacht getan. Mit meinem Hackenporsche hatte ich schnell die paar Dinge zusammengesucht und bezahlte artig an der Kasse. Das Portemonnaie musste noch geschlossen werden und so stellte ich mich ans Fenster um alles gut und sicher zu verpacken.

So jetzt nach Hause und Mittag...Es kam erstens anders und zweitens als gedacht.
Plötzlich sah ich, wie ich in Zeitlupe hinfiel und ich hatte sogar einen Gedanken dabei..." wie peinlich, wenn das jemand sieht"...

Der Laden war gut besucht an diesem Tag, wahrscheinlich hatten schon viele Leute ihre Rente auf dem Konto.
Dann spürte ich nur den Schmerz...diesen unbeschreiblichen Schmerz.

Menschen standen um mich herum und wollten mir aufhelfen, ich sah in meiner liegenden Position wie eine der Kassiererinnen mit einer Küchenrolle in der Hand zu der Stelle am Fenster ging, auf der ich vorher gestanden hatte und wischte mit den Blättern von der Küchenrolle etwas vom Boden auf.

Ich rappelte mich dann hoch und blieb erst mal stehen, da mir unheimlich übel wurde...Nach Hause ich wollte nur noch nach Hause. Wie ein Sog lief ich weinend vor Schmerz die gut 50 Meter am Lidlgebäude vorbei und über den Wendeplatz. Ich stellte aber dennoch die Suppe auf den Herd und hatte nur einen Gedanken....ausziehen alles ausziehen. Mein rechter Arm knatterte bei jeder versuchten Bewegung und ich mühte mich um Shirt und den BH auszuziehen. Dann quälte ich mich in ein Sommertop, damit der Arm freiblieb. Ich legte mich auf mein Bett und weinte sehr laut vor Schmerz...er war unglaublich Noch nie im Leben hatte ich solch einen Schmerz gespürt.

Schmerzhaft

Nach gut einer Stunde beschloss Uwe mich ins Krankenhaus zu fahren. Man hat mir wohl mein Elend angesehen, denn ich kam gleich zum Röntgen.
Das hies nun ...eine Operation. 
Zuerst bekam ich etwas Flüssigkeit für den Kreislauf mit viel Schmerzmittel. 2,5gr Novalgin und der angelegte Verband lies den Schmerz etwas verstummen. Im Rollstuhl brachten sie mich dann auf die Station in ein 3 -Bettzimmer. Grausig. Eine alte Dame von 92 hatte wohl Kreislaufpropleme und in der Mitte des Zimmers fehlte das Bett. Die Frau war gerade im OP....

16.30Uhr holte man mich dann nach dem Besuch des Narkosearztes ab zur OP. Als ich wach wurde war es inzwischen 19.30Uhr und mir war kotzübel.
Dies alles war ja ein Freitag und was dann kam war  auch Horror.
Sie haben den Bruch der sich Humeruskopffraktur nannte mit Platte und neun Schrauben zusammen getackert.Dabei hat wohl eine Schraube etwas böswillig gehandelt und ist durch den Kopf un das Schultergelenk geprescht. Das ergab das CT von Tag danach.
Auf eine weitere Beschreibung dier nächsten Tage möchte ich gar nicht weiter eingehen ... nur soiel ich habe in den 4 Nächten die ich da verbringen musste keine 5min geschlafen...Am 4. Tag danach bin ich nach Hause gegangen.

so sah es nun von innen aus...


Daran schloss sich eine Zeit mit vielen und großen Schmerzen an, körperlich sowie seelisch. Zwei Wochen lang habe ich nur im Sessel gesessen und den Fernseher angehabt und geweint. Ich war unsagbar verletzt. In meinem Kopf baute sich ein Bild auf. 
Der Körper fällt hin und die Seele kommt nicht mit.

Nach einigen Tagen änderte sich das ein wenig...
Alles ging nur begrenzt mit der Linken Hand. Ich konnte nichts, nicht mal mich waschen. Nicht mal auf Toilette alleine gehen. Das ist als wenn dir alles weggenommen wird
Auch kamen jetzt die Blutergüsse zum Vorschein und die allein sind schon schmerzhaft genug.
Uwe half mir wo es ging, aber er musste auch seiner Arbeit nachgehen. Tagelang habe ich nur ferngesehen ohne irgend etwas zu sehen. Es lies sich auch keiner sehen...wo waren eigentlich all die Menschen die man doch so hat. Keiner da.
Julia aus der Nachbarschaft kam 2 x in der Woche und machte wenigsten das nötigste sauber. Die Küche, das Bad die Toilette.

Der Verband durfte auch ab und das sah gar nicht so schlimm aus.
Mit dem Arm war absolut nichts zu machen. Ich mustte nun erst mal zur Physiotherapie...wohin,??? Es ging nur ein Ort den ich zu Fuß erreichen konnte. OK 750m laufen hört sich nicht viel an, aber es war eine unheimlich Qual...

Dann kam der Tag an dem die Naht enfernt werden konnte...Ja und da erfuhr ich dann auch das das Metall auf Grund der Schraubenschieflage nach 6-8 Wochen wieder entfernt werden muss. Nach so einem Martyrium wieder eine OP...der Gedanke war nicht nur grausig sondern machte mir sehr viel Angst. 
Aber die Zeit verging und die Schmerzen wurden ein kleinwenig erträglicher. Die Tabletten machten sogar mal für 2-4 Stunden eine Pause davon. Es half alles nichts das Zeug musste wieder raus denn 2 Schrauben waren locker geworden und eine hatte sich etwas lang gemacht und kratzte im Gelenk. So kam also der Termin 22.6.17 
Ich war froh das man sich auf mein Bitten diese Sache ambulant zu machen erst mal Ja gesagt haben.
Es sollte also von den Schmerzen abhängen die danach sich einstellen. Aber es ging gut ... ich brauchte nicht auf Station. 

Ich konnte also mit meinen Schrauben und der Platte nach Hause.
und wer weis wozu sich das mal verwenden lässt.
Unendliche Behandlungen folgten nun weiter....Die Schmerzen ließen so pö a pö nach. Der Haushalt ordnete sich langsam wieder, nur der Garten das wollte nicht gehen.
Eines Tages versuchte ich wieder mit dem Fahrrad zu fahren und nach 6 Monaten ging es dann auch wieder. Ich wurde halt beweglicher.
Und dennoch es bleiben 50% Bewegungseinschränkungen zurück.
Demnächst wird es nun Verhandlungen mit der Versicherung geben über die Höhe des Schmerzensgeldes.
Fortsetzung folgt....